Wie eine schlaflose, mit Ängsten besetzte Nacht, zum Roman verhalf.

Oft habe ich Schlafprobleme oder bekomme plötzlich eine Panikattacke, wenn ich eigentlich schlafen müsste. Da ich mich in solchen Moment nicht mit Lesen ablenken kann, ziehe ich mich dann meist ins Büro zurück und stürze mich in die Recherche.

Fürs Schreiben bin ich meist zu aufgewühlt, aber in Online- Archiven zu meinen Büchern recherchieren, neue Ideen einholen, das klappt eigentlich immer. Es macht mir unglaublich viel Spaß in Zeitungsarchiven aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert zu stöbern. Besonders im englischsprachigem Raum gibt es viele Möglichkeiten an Material zu kommen. Ich stöbere unheimlich gerne im British Newspaper Archive. Dies habe ich auch verwendet, um Dinge zu für Das Erbe von Juniper House zu überprüfen. z.B Gab es damals schon Lackschuhe um 1915? Ja, die gab es tatsächlich. Ich fand eine Werbeanzeige, in der Olivenöl beworben wurde. Dieses könne man sehr gut zum Putzen von Lackschuhen nutzen, stand dort. Ich war sehr erstaunt, dass 1915 in England Olivenöl „bekannt“ war.

Die Idee zu dem Roman hatte ich von einer Seite (ich glaube etwas von der BBC, bin mir aber nicht mehr sicher), wo man Augenzeugenberichte lesen konnte, so z.B über eine Frau, die in 30 und 40er Jahren in einem Internat in England zur Schule ging und die darüber berichtete,  welche Auswirkungen der Krieg auf den Schulalttag hatte. Ich stieß auch auf einen Bericht einer Frau, die 17 war, als der Erste Weltkrieg in vollem Gange war. Sie berichtete, dass eines Tages ihre Lehrerin weinend vor den Schülerinnen stand und verkündete, dass viele von ihnen niemals heiraten würden oder eine Familie gründen könnten, weil zu viele Männer gefallen waren. Das hat mich sehr berührt und diese Szene habe ich in meinem Roman eingebaut, um die Auswirkungen des Krieges genauer aufzuzeigen. Was es für die Frauen der damaligen Zeit bedeutete, dass so viele Männer gefallen waren.  Das Thema 1. Weltkrieg haben wir in der Schule damals nur gestreift. Fokus lag auf den Zweiten Weltkrieg, aber auch da haben wir fast nur Daten gelernt und über Orte und wichtige Schlachten/Attentate gelernt, über die Wirtschaft.  Kaum etwas über die Gesellschaft, über die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ich wusste also über den Ersten Weltkrieg nicht viel mehr als die Zeitspanne, in der er stattfand. Die gesamte Julikrise wurde mit dem „Attentat auf den Erzherzog“ zusammengefasst. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass im 1 .Weltkrieg bereits Zeppeline eingesetzt wurden, die in London Brandbomben abgeworfen haben. Wie apokalyptisch muss es gewirkt haben, als die Menschen aus den Fenstern blickten und diese riesigen Dinger, die kaum jemand zuvor je gesehen hatte, über den engen Häuserschluchten entlangfahren sah (Man sagt tatsächlich „fahren“ nicht „fliegen“ bei Zeppelinen).

Bei der Recherche im Arbeitszimmer

Da saß ich nun nachts um zwei in meinem Arbeitszimmer, den Elektrokamin an, ein Tee in der Hand und blätterte begierig Seite um Seite, sah mir Bilder von der Zeit an, versuchte mich in die Zeit hineinzuversetzen. Wir kennen Zeppeline. Aber wie muss es für jemanden gewirkt haben, der so etwas noch nie gesehen hat? Vielleicht nicht einmal ein Bild davon gesehen hat?

Als Frau interessiert mich natürlich auch die Entwicklung der Frauen in der Zeit. Und da gibt es so viel Spannendes und Interessantes zu lesen. Vergessen ist die Schlaflosigkeit, die Ängste, die Panik lauert irgendwo zwar noch im Hintergrund, aber wird durch meine Begeisterung für das Thema in Schach gehalten und gähnt nur noch müde.

Obwohl diese Nächte furchtbar anfingen, mit aus Albträumen hochschrecken und heftigen Panikattacken oder nicht enden wollender Grübelei, ich behielt sie später in schöner Erinnerung, weil die Freude an der Recherche, in meiner eigenen kleinen Welt, überwog. Da machte der Beginn der blöden Nacht vielleicht noch 5% aus, der Rest war pure Freude. Es mag sich übertrieben anhören. Ich kann sehr schnell in Panik geraten, ich kann aber auch sehr schnell wieder hinausfinden. Nicht immer. Aber mit Schreiben und Recherchieren, zwei Tätigkeiten, über die ich stundenlang begeisterte Monologe halten könnte, gelingt es mir ganz gut. Und ich bin sicher, ich bin nicht die einzige, der es so geht.

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